Minimalistische Dinge: Fahrradputzen für Großstädter

Fahrradwaschen mit tragbarer Handpumpe

Minimalistische Dinge? Ein Oxymoron? Für alle, die keinen Deutsch-Leistungskurs hatten, ein Widerspruch in sich?

Manche selbsternannten Minimalist_innen setzen Minimalismus mit dem Besitz weniger Dinge gleich: Leben mit nur 100 Dingen, Leben mit nur 10 Dingen, Leben ohne Dinge? Ein interessantes Experiment startete der Schwede Petri Luukkainen. Er sperrte all sein Hab und Gut in einen Container und holte sich, über ein Jahr verteilt, jeden Tag nur einen Gegenstand zurück. Nebenbei hat er darüber auch einen sehr empfehlenswerten Film gedreht (My Stuff). In sehr viel kleinerem Maßstab haben auch wir uns eine Challenge gesetzt, und uns dazu selbstverpflichtet, ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen. Wir leben sehr gut damit. Aber eigentlich sind wenige oder weniger Dinge nicht die Essenz der Sache.

Minimalismus bedeutet für uns nicht ein Leben mit möglichst wenigen Dingen. Oder gar: Dinge sind blöd. Im Gegenteil. Es geht darum, Dinge wirklich wertzuschätzen. Dem Kapitalismus wird gerne nachgesagt, er stelle Materielles über alles andere. Doch wenn man es genau nimmt, haben Dinge doch nur einen sehr flüchtigen Wert in einem kapitalistischen Wertesystem. Kleidung gerät binnen weniger Monate aus der Mode, technische Geräte sind schnell überholt. Gegenstände sind heute weniger robust, oder sogar absichtlich so entworfen, dass sie schnell kaputt gehen. Sind Gegenstände kaputt, werden sie selten repariert, sondern weggeworfen. Eine Reparatur ist oft zu teuer, oder das Produkt gar nicht darauf ausgelegt repariert werden zu können.

Das Problem sind also nicht Dinge an sich, sondern dass diesen nur noch ein sehr flüchtiger Wert beigemessen wird. Solch kurzlebige Dinge machen konsequenterweise auch nur kurz glücklich. Viele Dinge sind sogar unnötig und machen eher unglücklicher. In dem sehr empfehlenswerten Film „Minimalism“ drückt das die Ökonomin und Soziologin Juliet Schore wie folgt aus:

We are too materialistic in the everyday sense of the word, and we are not at all materialistic enough in the true sense of the word. We need to be true materialists, like really care about the materiality of goods.

In diesem Sinne starte ich hier die neue Reihe „Minimalistische  Dinge“. Ich weiß, ich habe schon viele Reihen gestartet, die ich bisher noch nicht weiter verfolgt habe (Inside the Scene, Everyday Cyclists im Interview), aber vertraut mir, das kommt noch. Unter dem Titel „Minimalistische Dinge“ möchte ich euch Produkte vorstellen, die besonders langlebig, robust, praktisch, ökologisch, fair, schön, schlicht, und noch vieles mehr sind (oder auch nur ein paar der genannten Eigenschaften haben). Meistens wird es um Dinge gehen, die irgendwie mit Radfahren oder auch veganer Ernährung zu tun haben, aber auch nicht immer. Kurz gesagt, es geht um Dinge die mich glücklich machen und die das Potential haben auch euch glücklicher zu machen.

Fahrrad-putzen-portable-power-washer-hochdruckreiniger

Wir fangen heute mit einem Gegenstand an, der oberflächlich betrachtet rein gar nichts mit Minimalismus zu tun hat. Die korrekte Bezeichnung des Artikels ist „Portable Power Washer“ oder auch „tragbare Handpumpe“. Sie besteht zu 100% aus Plastik und wurde mit ziemlicher Sicherheit günstig in China hergestellt. Dennoch ist das Teil für mich nicht mehr wegzudenken und erfüllt nun seit immerhin einem Jahr treu seine Dienste. Das Teil ist nämlich super zum Fahrradputzen. Nein, Fahrradputzen macht nicht unmittelbar glücklich (jedenfalls nicht mich), aber ohne sauberes, geöltes Fahrrad keine Freude am Radfahren. Fahrradputzen ist in einer Mietwohnung (4. Stock) aber gar nicht so leicht. Mangels Wasseranschluss und Schlauch im Hof musste ich früher mühsam Wassereimer schleppen und das Rad mit einem Schwamm abtupfen. Heute steht die tragbare Handpumpe mit zehn Liter Tank (ausreichend für etwa zehn kurze oder fünf gründliche Wäschen) griffbereit im Fahrradkeller. Und ja, das macht mich immer wieder froh. Denn so kann ich mein Rad nach einer matschigen Regenfahrt einfach kurz abspritzen, die Kette ölen, und fertig. Im Übrigen funktioniert die Pumpe im Gegensatz zu teuren mobilen Hochdruckreinigern ganz ohne Strom, allein mit Muskelkraft. Eine Minute pumpen, fünf Minuten spritzen.

Ihr seht: Minimalismus ist vielseitig.

(Wer übrigens eine Pumpe aus nachhaltigeren Materialien und Herstellung kennt, ich bin für Empfehlungen immer offen. Einfach ein Kommentar hinterlassen oder uns per Mail kontaktieren.)

3 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s