Inside the Scene: Die Fixie Szene beim 8 Bar Crit

Nilpferd auf Fixie Rennrad Fahrrad mit Senkern und Brille

Lange hielt ich Fixies für eine unnütze und gleichzeitig rückständige Modeerscheinung. Auch die ersten Fahrräder fuhren ohne Bremsen, Gangschaltung und Freilauf. Aber warum sollte ich 21ten Jahrhundert darauf verzichten?

Das Fixie war ursprünglich der Fahrradkurier- und Bahnradszene vorbehalten, wurde aber in den letzten Jahren fix zum Trend und eroberte rasant den Mainstream. Damit kam eine Schwemme billiger, bunter aber sau schlecht verarbeiteter Fixie-Räder. Das war nun wirklich nicht nach meinem Geschmack und ein Mitläufer wollte ich schon gar nicht sein.

Mittlerweile haben sich aber einige Hersteller etabliert, die mehr Wert auf solide Verarbeitung legen und auch die Rennszene vorantreiben. So auch das Berliner Label 8 Bar. Die Berliner stellen Fixed-, Urban- und Rennräder her, unterhalten ein international erfolgreiches Team und organisieren seit mehreren Jahren auch Fixie-Rennen in Berlin.

Die Idee, mit Fixies Straßenrennen zu veranstalten, kommt aus der Fahrradkurierszene. Was zunächst innerhalb der Szene begann ist mittlerweile schon etwas massentauglicher geworden. Es gibt offizielle Wertungen auf gesperrten Strecken und mehrere internationale Rennen (z.B. die Red Hook Crit Serie). Einige Fixie-Labels unterhalten eigene international agierende Teams und auch große Marken wie Adidas, DT-Swiss und Canyon mischen eifrig mit und finanzieren Rennen und Teams.

Solche Rennen werden in unterschiedlichen Formaten organisiert (z.B. Alleycat, Sprints, Last (Wo)man Standing). Meistens werden die Rennen als Kriterium veranstaltet (so auch das 8 Bar Crit). Ähnlich einem aus dem Radrennsport bekannten klassischen Kriterium oder „Kirmesrennen“ werden dabei Runden gefahren. Anders als bei dieser klassischen Rennform ist der Kurs aber meist kürzer und technischer (Haarnadelkurven etc.). Gefahren werden diese Rennen natürlich mit Fixies – und zwar ohne Vorderradbremse.

Seit diesem Jahr gibt es im Rahmen des 8 Bar Crit eine Rennradkategorie, die es auch Szene-Neulingen ermöglicht mit ihren Rennrädern (und Bremsen!) teilzunehmen. Da ich dieses Jahr auf der Suche nach neuen Rennherausforderungen bin und mich im Rahmen meiner Beschäftigung mit Minimalismus immer mehr mit den Vorzügen eines Fixies anfreunde, war das diesjährige Rennen die Gelegenheit für mich, Szeneluft zu schnuppern.

Zunächst war ich etwas skeptisch und hatte zugegebenermaßen Schiss vor der sicherlich starken Konkurrenz und der Coolness der Szene. Doch die Neugier überwog. Außerdem ist die Distanz von 25 Runden à 1 Kilometer für einen erprobten Randonneur ja geradezu lächerlich. Und es winkten stattliche Preise, z.B. ein hochwertiger DT-Swiss Carbonlaufradsatz für den Gewinner der Road-Männer Kategorie.

Der Renntag startete um 12 Uhr mit einigen Aufwärmrunden über den Parcours auf dem Tempelhofer Feld. Eine wirklich angenehme Uhrzeit für ein Radrennen. Beim Berliner Velothon geht es meist schon um sieben oder acht los. Die Fixie-Leute stehen wohl auch gerne später auf.

Bereits bei den Aufwärmrunden wurde mir klar, dass das Rennformat sich fundamental von meinen bisherigen Rennen unterschied. Auch die folgenden Qualifikationsrunden bestätigten diesen Eindruck. Ein großes Peloton, in dem sich auch schwächere Fahrer_innen verstecken können, gibt es (leider) nicht. Stattdessen bildet sich meist innerhalb kürzester Zeit eine kleinere – im späteren Finale auch größere – Spitzengruppe, die sich schon wegen der überlegenen Kurventechnik kaum einholen lässt. In einigen Qualifikationsrennen flüchteten sogar Einzelne und schafften es, sich abzusetzen und ihren Vorsprung bis ins Ziel zu halten.

Bei mir lief es schlicht schlecht. Pünktlich zum Rennbeginn begann es zu regnen. Die Strecke war nass und der abgefahrene Asphalt rutschig wie Glatteis. Bereits in der ersten Runde stürzten mehrere Fahrer vor mir. Mich erwischte es glücklicherweise nicht, besonders ermunternd war es aber nicht. Meine Kurventechnik, ohnehin miserabel, wie ich schmerzlich erkennen musste, fiel ins bodenlose. Hätte ich doch zumindest breitere Reifen mit weniger Luft und mehr Grip montiert. Trotz zahlreicher verzweifelter Zwischensprints auf den – echt kurzen – Geraden hatte ich nicht den Hauch einer Chance an der etwa sechsköpfigen Führungsgruppe dranzubleiben. Selbst den Windschatten der anderen verlorenen Verfolger konnte ich in den Kurven nicht halten und so wurde das Rennen zu einem nervtötend kurvigen Einzelzeitfahren. Spaß geht anders. Noch nicht genug der Demütigung wurde ich schließlich kurz vor Schluss überrundet und vom Besenwagen – einem 8 Bar-Mitarbeiter auf einem schnellen e-Bike – von der Strecke gekehrt.

Etwas frustriert aber auch erleichtert verließ ich den Kurs. Alles in allem eine eher ernüchternde Erfahrung. Ich bin etwas unentschlossen: Ist das Rennformat Mist? Oder brauche ich einfach mehr (Kurven-) Training? Nach einigen Tagen überwiegt doch die Lust an der Herausforderung. Ich habe Blut geleckt und will mehr. Das nächste Mal mit breiteren Reifen, ohne Regen und mit einer enorm gesteigerten Kurventechnik. Und auf einem Fixie (dazu bald mehr)?

Weitere Informationen zum 8 Bar Crit findet ihr hier

 

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