Veganismus und Verzicht

Panther auf Fahrrad, Rennrad, Go Vegan, Veganismus und Verzicht

Wie oft habe ich in Diskussionen und Literatur über Veganismus schon den Satz „Es geht nicht um Verzicht“ gelesen oder gehört. Es geht nicht um Verzicht, es geht um Gewinn. Vielfalt statt Verzicht. Veganismus hat nichts mit Verzicht zu tun. Geht das nur mir so, oder gibt es irgendwie so was wie einen geheimen veganen Code, dass Veganismus und Verzicht auf gar keinen Fall in Zusammenhang gebracht werden dürfen? Leute, die behaupten, Veganismus habe nichts mit Verzicht zu tun, haben wohl noch nie Pizza mit Pancetta bei Stranero im Osramkiez gegessen. (Pancetta ist Bauchspeck von italienischen Schweinen und nicht besonders vegan.) Bei TripAdvisor empfiehlt ein Gast ausdrücklich „Try a slice of pancetta pizza, it’s heaven!“. My word.

Ich finde, dass eine vegetarische und erst recht eine vegane Ernährung sehr wohl Verzicht bedeutet. Die Frage ist für mich hier: Was ist so schlimm daran? Ich finde es bezeichnend, dass ein Ernährungstrend / Lifestyle / Zukunftsvision / wie immer ihr es nennen wollt nicht mit Verzicht assoziiert werden darf, um eine Chance zu haben im besten Falle kritisch beäugt zu werden. Was sagt das über uns und unsere Gesellschaft aus?

Wir sind es so gewohnt alles immer und überall zu bekommen, dass Verzichten überhaupt nicht in Frage kommt. Übers Internet komme ich an so ziemlich jedes Produkt innerhalb eines Klicks. Mein eBook bietet mir weltweiten Zugang zur größten Bibliothek der Erde. Unsere Supermärkte sind voll von Obst und Gemüse, das weder hier noch jetzt wächst. Und wenn ich für etwas kein Geld habe, zücke ich eben meine Kreditkarte. Verzicht ist in diesem Teil der Welt, einer Welt des Überflusses und Konsums, so unsexy wie Rosenkohl. Daher ist es offenbar gefährlich für eine Bewegung, mit Verzicht assoziiert zu werden.

Das macht Veganismus, wie auch Minimalismus und die Fortbewegung auf dem Rad, in meinen Augen zu etwas Revolutionärem. Ich verzichte absichtlich auf etwas – den Himmel der Pancetta-Pizza, den Komfort der Sitzheizung im Auto, die dritte Radhose im super-sale-Sonderangebot – für etwas Besseres. Es ist ein Zurücktreten von meinem momentanen impulsiven Verlangen zu Gunsten einer größeren Vision. Die Vorstellung von fair bezahlter Arbeit, lebenden italienischen Schweinchen, satten Menschen weltweit und sauberer Luft.

Ich stelle mir vor, wie einige von euch innerlich die Augen rollen über so viel naiven Welt-Verbesserer-Geist. Das ist eine ganz normale menschliche Abwehrreaktion auf Veränderung, Leute. Ich kenn das. Das geht vorbei. Es mag anfangs unbequem sein, auf Käse zu verzichten oder mit dem Fahrrad ins Fitnessstudio zu fahren. Auch das ist normal. Vielleicht stellst du aber nach einiger Zeit fest, dass es deinem Körper besser geht und du ohnehin lieber draußen Fahrrad fährst als im Fitnessstudio. Und dass es sich irgendwie gut anfühlt, mit jeder Mahlzeit ein Tierleben zu retten.

Jede Veränderung unserer lieb gewonnenen Gewohnheiten bedeutet anfangs Verzicht. Schon mal versucht mit Rauchen aufzuhören? Oder ein Jahr lang keine Kleidung zu kaufen? Klar ist das unbequem. Ich glaube, dass Veränderungen, die anfangs mit Verzicht einher gehen, das Potential haben, langfristig zu mehr anstatt weniger zu führen. Mehr Gesundheit. Mehr Bewegung. Mehr Freiheit. Mehr Geld. Mehr Zeit.

Ich fahre jedenfalls gut auf dem Weg der Vision. Und am Straßenrand entdecke ich allerlei wunderbare Dinge, wie Cappuccino mit Sojamilch und habe Rendezvous mit Wildschweinen.

Auf Pizza muss ich übrigens noch nicht mal verzichten. Wir haben schon tolle Käse-Alternativen und vegane Pizzerien gefunden.

Für mehr über den Weg zu einer veganen Ernährung siehe den Blogeintrag „Die ganze Welt wird Käse

 

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