Veganismus mit Geschmack

Wildschwein auf Fahrrad Rennrad Schwein

Dass Leute nur Pflanzen essen, hatte ich schon früher ein paar Mal gehört und jedes Mal mit skeptischer Neugier darauf reagiert. Na gut, vielleicht mehr Skepsis als Neugier. In mir hatte sich die Meinung formiert, dass Veganer_innen einfach keinen Sinn für Geschmack haben. Dass man sich vegan ernähren kann, das sah ich ein. Aber dass das schmecken soll? Also so richtig, richtig gut?

Vor ein paar Jahren waren Andi und ich mit ein paar Freund_innen auf Korsika wandern. Abgesehen davon, dass wir von Schneesturm über Waldbrandgefahr bis Unwetter mit Überschwemmungen alles mitnahmen, war ich geschmacklich chronisch unterfordert. Da wir unsere Nahrung von Anfang bis Ende auf dem Rücken trugen, gab es Platz- und Gewicht sparendes Essen. Das hieß: Jeden Abend Bulger in Tütensuppe. Das kulinarische Highlight war Knäckebrot mit Tartex (wisst ihr, diese Aufstriche in Aludosen, die alle irgendwie gleich schmecken?.

Ich mag wandern. Ich mag die Bewegung in der Natur, das meditative Schritt-für-Schritt, und sogar die Anstrengung. Am liebsten mag ich das Gefühl, abends anzukommen und nur noch duschen, essen und schlafen zu wollen. Wenn die Dusche allerdings eiskalt, das Essen unbefriedigend und der Schlafplatz nass ist, mag ich wandern weniger gern. Es mag sein, dass die ungünstige Gesamtsituation zur Skepsis gegenüber dem veganen Essen beitrug. Mein Punkt hier jedenfalls ist: veganes Essen kann, wie jede Ernährung, sehr einseitig und unglaublich unbefriedigend sein.

Muss es aber nicht.

Wir sind beide immer auf der Suche nach geschmacklichen Erlebnissen. In der Küche geht es kreativ und experimentell zu, Urlaube bringen uns (meistens!) auf neue kulinarische Ideen und wenn wir essen gibt es viele Mhmmmmms und Ahhhhhhs. Wir haben schon einmal Zeit (4 Stunden) und Geld (vieeel Geld) investiert um in einem zwei Sterne Restaurant zu speisen. Das war total abgefahren. Mehr Kunst als Nahrung. Zur Begrüßung gab es flüssigen Aspik und als Nachtisch eine Schweineblutpraline mit weißer Schokolade. Dazwischen lagen vier Stunden, sieben Gänge, göttlichen Wein und traumhafte Genüsse.

Von der Blutpraline zur Dattel schienen für mich geschmackliche Welten zu liegen. Nachdem ich mich aus verschiedenen Gründen für die Dattel und gegen das Blut entschied, war mein Geschmackssinn mehr als überrascht. Zum einen sensibilisieren sich meine Geschmacksnerven zunehmend. Das heißt, dass eine Cashewnuss, Dattel oder Blaubeere eine Geschmacksexplosion auslöst, ähnlich wie die Schweinsblutpraline.

Warum das so ist, weiß ich nicht genau. (Wenn ihr mehr wisst, please teach me.) Dr. Michael Greger, der auch in dem Film What the Health zu Wort kommt, sagt dazu:

We now have scientific evidence to back up the claim that if you go a few weeks cutting down on junk food and animal products, yours tastes start to change.

Geschmacksnerven scheinen sich also tatsächlich verändern zu können.

Zum anderen haben sich uns ganz neue Welten des Probieren und Experimentieren aufgetan. Es macht uns Spaß, Mozzarella aus Cashewkernen herzustellen. Der Cappuccino mit Sojamilch schmeckt uns tatsächlich besser als der mit Kuhmilch. Die Energiekügelchen sind der Hit. Und wir entdecken vieles wieder, was geschmacklich in Vergessenheit geraten ist. Wie Datteln, Cashews, Stachelbeeren. Ich habe wöchentlich ein neues Lieblingsobst, -gemüse, oder -essen.

Klar, vegan zu Essen heißt auch Verzicht, schafft aber auch Platz für neue geschmackliche Abenteuer.

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