Veganismus und das Verlangen nach Käse

Elefanten auf Fahrrädern von hinten, großer Elefant und kleiner Elefant

Ich bin bekennende Käse-Esserin. Für mich gab es fast 30 Jahre lang nichts leckereres als geschmolzenen Käse auf was auch immer. Leider passt Käse nicht so richtig gut zu einer rein pflanzlichen, also veganen, Ernährung. Es soll ja Leute geben, die einfach vegan essen weil ihnen tierische Produkte, wie Käse, nicht schmecken. Da gehöre ich definitiv nicht dazu. Schweizer Käsefondue mit Weißbrot, Chèvre chaud auf Salat, Pizza mit doppelt Käse, Lasagne, Ofenkäse, Mozzarella-Nudeln, Käse mit Käse – Hauptsache Käse.

Rendevous mit einem Wildschwein

In den letzten Wochen sind mehrere Ereignisse passiert, die mich zum umdenken und -fühlen brachten. Zum einen hatte ich ein berührendes Erlebnis mit einem Wildschwein. Ich habe es (durch einen Zaun hindurch – Wildschweine haben ein ziemlich starkes Gebiss!) mit Gras gefüttert. Wir waren ganz allein, das Wildschwein und ich. Und plötzlich kam mir das Tier so tierisch vor wie ein Mensch menschlich. Zum anderen habe ich, eher durch Zufall als zielgerichtet, die beiden Dokus Cowspiracy und What the Health gesehen und von einer Freundin das Buch Anständig essen ausgeliehen bekommen. Irgendwie haben diese Ereignisse, die unabhängig voneinander in mein Leben stolperten, mich zum Thema vegane Ernährung gebracht.

Ich habe herausgefunden, dass es einige Gründe für die vegane Ernährung gibt und einige Gründe gegen das Essen von Tieren und tierischen Produkten. Für eine vegane Ernährung spricht zum Beispiel eine bessere Versorgung des Körpers mit Nährstoffen und die Verringerung des Risikos an so unschönen Dingen wie Osteoporose oder Brustkrebs zu erkranken. Außerdem verbraucht der Anbau von Pflanzen sehr viel weniger Energie und Wasser als die Produktion von Fleisch und dem, was Tiere noch so von sich geben. Wem der Amazonas am Herzen liegt wird sich freuen, dass pflanzliche Nahrung diesen nicht zerstört. Und wer Tiere mag kann beruhigt sein, dass für sein_ihr Essen kein flauschiges Küken geschreddert wurde.

„If it’s my will against the craving, I’m in trouble“

Die Sache ist die. Ich mag den Geschmack und die Konsistenz und den Geruch und … so weiter eben… von Käse noch immer. Der Gedanke an Käsefondue lässt mich sabbern. Der Grund, weshalb ich hier von meiner und deiner Gesundheit, dem Regenwald und niedlichen Küken schreibe, ist der, dass es für mich ziemlich gute Argumente gegen das Käse-Essen sind.

Rob Bell spricht in einer Folge seines phänomenalen Podcast von „will against craving“, also dem Willen gegen das Verlangen. In der Folge untersucht er das Phänomen, dass wir, wenn wir versuchen nicht an etwas zu denken, es uns umso mehr im Kopf herum spukt. Zum Beispiel. Versuch mal die nächsten 30 Sekunden nicht an Elefanten zu denken. Fertig? Los.

Na?

Du denkst nicht an Elefanten, richtig?

Lalala

Immer noch keine Elefanten?

Ok. Wenn du wie ich ein Mensch bist, wirst du, auch wenn du dich noch so sehr anstrengst, deinen Kopf nicht davon abhalten können, an Elefanten zu denken. Irgendwie scheinen sich Menschen nicht verbieten lassen zu wollen, an was sie denken und eben auch, was sie essen. Nicht von anderen und auch nicht von sich selbst. Menschen scheint ihr freier Wille seltsam wichtig zu sein. Deswegen kann es sein, dass unser Verlangen nach etwas umso größer wird, je mehr wir es uns verbieten. Oder mit Rob Bells Worten:

When you try to cut down on carbs the whole world can sometimes appear like a doughnut.

Oder eben: Wenn du versuchst, auf Käse zu verzichten, wird die ganze Welt plötzlich zu Käse. Es ist also nicht hilfreich, sich zu verbieten an Käse, Doghnuts, Elefanten oder was auch immer zu denken, wenn man davon weg kommen will (von der Elefanten-Besessenheit, etc.). Statt mir also ständig zu sagen „Du darfst kein Käse essen. Denk ja nicht an Käse!“, denke und fühle ich an meine Gesundheit, die Küken und den Amazonas. Da Rob Bell das viel schöner sagen kann, lass ich ihn noch einmal zu Wort kommen:

You don’t battle will against desire. You let a greater desire do battle with a smaller desire. So the thing is: What kind of person do you want to become? What kind of health do you want to have? […] You have to tap into a vision of what you want your life to be. And become so familiar with that vision, with that picture of what could be, that you let your desire for that do battle with your desire of whatever the thing is that’s in the way.

Also: Ja, ich mag Käse noch immer. Aber noch lieber mag ich meine Gesundheit, den Amazonas, Küken, Wildschweine und Kälbchen. Und die kämpfen bis jetzt sehr erfolgreich gegen meine Käse-Welt.

 

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