Das Problem mit der Milch

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Ich esse seit ich denken und feste Nahrung zu mir nehmen kann gerne, oft und viel Käse. Als Kind freute ich mich im Skiurlaub schon morgens bei der ersten Liftfahrt auf das Käsefondue am Abend. An Silvester musste es Raclette geben und das restliche Jahr über  war einmal in der Woche Pizza ein Muss. Als ich etwas älter war erreichte ich in meinem Freund_innenkreis seltsame Bekanntheit durch meinen Konsum von Käse und Rotwein statt Bier und Chips. Eigentlich fand ich alles lecker, was nur mit genug Käse überbacken wurde. Lieber als etwas mit Käse war mir nur Käse mit was. Ofenkäse, Käsefondue, Raclette, Pizza mit mehr Käse als Teig.

Vegan zu essen kam mir völlig absurd und überflüssig vor. Erstens – was schmeckt schon ohne Käse? Und zweitens – wieso, weshalb, warum? Kühe geben Milch, das ist doch nett von ihnen und tut niemandem weh.

Die Geschichte von Kuh und Kalb

In der letzten Zeit begann es mir irgendwann zu dämmern, dass es einen Grund für so Dinge wie Sojamilch und Hafer Cuisine (das ist Sahne aus Hafer) gibt. Zunächst lernte ich, dass Kühe – wie Menschen auch – nur Milch produzieren, wenn sie ein Baby bekommen. Und dass es weniger absurd ist, auf Milch und Käse zu verzichten, als diese simple und irgendwie logische Tatsache über den Lauf der Natur nicht zu wissen. Ich kann mich ja noch damit rausreden, dass ich ein Stadtkind bin. Aber nicht mal Andi, der auf einem Bauernhof mit Kühen, Schweinen, Kaninchen, Hühnern und Meerschweinchen aufgewachsen ist (ich weiß – zum neidisch werden), wusste, dass die Milch, die wir zu uns nehmen, eigentlich für Kälbchen bestimmt ist.

Ich mag Kälbchen. Ich finde, dass sie niedlich aussehen und mag das Gefühl, wenn ihre raue Zunge über meine Hand streift. Das kitzelt so schön. Ja, das ist sentimental (für Fakten ohne Gefühl siehe weiter unten). Ich finde die Vorstellung, dass Kälber nach der Geburt von ihren Müttern getrennt werden, traurig. Sind sie männlich, werden sie entweder nach ein Paar Tagen geschlachtet und enden als Kalbfleisch oder sie werden ein paar Tage und Wochen länger gemästet und enden dann als Rindfleisch. Sind sie weiblich kommen sie in eine Box oder dürfen in seltenen Fällen auf die Weide bis sie selber Milch produzieren können und das Spiel geht vorne los. Der erste Fall (männliches Kalb wird geschlachtet) hat übrigens den für die Käseproduktion günstigen Nebeneffekt, dass dem Kalbsmagen Lab entnommen wird. Lab lässt Milch gerinnen und ist daher prima für die Käseherstellung.

Käse essen ist also in vielen Fällen nicht einmal vegetarisch. Zum einen wird oft Lab aus dem Kalbsmägen für die Käseproduktion verwendet. Zum anderen unterstützt Käse essen und Milch trinken indirekt die Produktion von Kalbs- und Rinderfleisch. Und abgesehen von dem anstrengenden Leben als Milchkuh (ständig Kälber gebären und Milch geben) enden auch Milchkühe als Rindfleisch wenn sie nicht mehr um die 10 000 Liter Milch pro Jahr produzieren. Jedes Kalb in der Landwirtschaft, ob nun bio oder nicht, wird also irgendwann zu Wurst oder Fleisch.

Cow’s milk is baby calf growth food

Ok, Kälber leiden und sterben also für Käse. Angenommen mir wäre das schnuppe. Nun, die Sache ist die. Da die Milch eigentlich für die Kälbchen gemacht ist und nicht für mich, besteht sie aus lauter Dingen, die das Kälbchen braucht, ich aber nicht. Dr. Michael Klaper, der für den Film Cowspiracy interviewt wurde, bringt die Sache auf den Punkt:

The purpose of cow’s milk is to turn a 65 pound calf into a 400 pound cow as rapidly as possible. Cow’s milk is baby calf growths food.

(hier findest du den Filmausschnitt mit dem charmanten Michael Klaper)

In Kuhmilch sind also alle möglichen Wachstums- und andere Hormone drin, die für den menschlichen Körper schädlich sein können. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass Milchprodukte (und vor allem Käse! wie kann etwas, was so gut schmeckt, schlecht sein?!) irgendwie ungesund sein könnten. Ich habe schon seit meiner Kindheit Asthma und Neurodermitis, aber nie über meine Ernährung in dieser Hinsicht nachgedacht. Erst als  bei mir vor ein paar Monaten eine Autoimmunerkrankung diagnostiziert wurde, begann ich mich mit dem Zusammenhang verschiedener Nahrungsmitteln mit Krankheiten auseinander zu setzen (ja ich weiß – reichlich spät). Dabei habe ich herausgefunden, dass es so was wie basische und saure Nahrung gibt. Säurebildende Nahrungsmittel fördern Entzündungen, während basische diesen entgegenwirken. Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege und Neurodermits eine entzündliche Hauterkrankungen.

What’s the point here?

Tierische Nahrungsmittel, ob Fleisch, Eier, Milch, Käse zählen zu den Top-Säurebildern. Und was macht eine Übersäuerung des Körpers? Alles mögliche: Ablagerung in und damit Verengung von Gefäßen (das nennt sich dann Plaque), was zu Schlaganfall und Herzinfarkt führen kann. Ablagerungen in Gelenken, was mit Arthritis und Arthrose in Verbindung gebracht wird. Auch Autoimmunerkrankungen wie Diabetes und Vitiligo, sowie eben Neurodermitis und Asthma, werden durch einen säureüberschüssigen Säure-Basen-Haushalt begünstigt. Alles Dinge, die wir nicht unbedingt haben wollen. Zudem wird der Konsum von tierischen Lebensmitteln mit Osteoporose und Krebserkrankungen in Verbindung gebracht.

Speziell die Info, dass Säure die Blutgefäße verengt, mag für riding rhinos von Bedeutung sein. Vielleicht berichten deswegen Extremradsportler_innen wie Rich Roll oder Ben Urbanke von einer Leistungssteigerung nach der Umstellung auf vegane Ernährung und kürzeren Regenerationsphasen?

Nun, ich denken nicht, dass unsere Nahrung für alles verantwortlich gemacht werden kann und möchte hier ausdrücklich Abstand von jeder Form des victim blaming nehmen (à la „du hattest einen Schlaganfall? Selber Schuld, hättste mal mehr Kartoffeln gegessen“). Und ich glaube auch nicht, dass vegane Ernährung alle Krankheiten heilen kann (meine florieren immer noch prächtig). Dennoch finde ich die Zusammenhänge von tierischen Nahrungsmitteln und menschlicher Gesundheit so überzeugend, dass ich meinen Käse-Hunger in Zukunft an veganen Alternativen ausleben werde.

Für die Milch im Kaffee habe ich auch schon eine befriedigende Alternative gefunden.

Mehr Infos im Film What the Health.

Siehe auch den Blogeintrag „Die ganze Welt wird Käse

 

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